Ansprüche bei Ärztepfusch - Was Patienten wissen sollten

Nach meiner Erfahrung scheuen viele Patienten den Konflikt mit dem Arzt oder der Klinik, wenn bei der Behandlung etwas schiefgelaufen ist. Ursache dafür ist häufig, dass Betroffene nicht wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Die Dunkelziffer für Ärztepfusch ist hoch. Eine neue Studie geht allein bei Krankenhauspatienten von bis zu 190.000 Behandlungsfehlern jährlich aus.

Ein schuldhafter Behandlungsfehler liegt vor, wenn der Arzt der jeweiligen Fachausrichtung bei Einsatz der von ihm zu fordernden medizinischen Kenntnisse und Erfahrungen das vom Patienten beklagte Resultat aus seiner diagnostischen oder therapeutischen Maßnahme oder einem pflichtwidrigen Unterlassen in der konkreten Situation sicher hätte vermeiden können. Ob ein solcher Sorgfaltsverstoß vorliegt, lässt sich häufig nur durch ein Sachverständigengutachten klären. Für gesetzlich Versicherte besteht dabei die Möglichkeit, ein solches Gutachten über den MDK einzuholen.

Aus meiner Sicht sollten Betroffene die Ereignisse und konkreten Beschwerden in einem Gedächtnisprotokoll festhalten, Fotos zur Beweissicherung fertigen und in jedem Fall die Daten der Ärzte sowie etwaiger Zeugen notieren. 

In jedem Fall empfiehlt sich die frühzeitige Kontaktaufnahme mit einem auf Arzthaftungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt. Dieser wird die Patientenakte anfordern und den Fall auf mögliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche gegen den Arzt prüfen. Stellt sich dabei heraus, dass die Patientenakte unvollständig ist oder nachträglich verfälscht wurde, kehrt sich im Prozess die Beweislast um. Der Arzt muss dann beweisen, dass er alles richtig gemacht, nicht der Patient, dass ein Fehler vorliegt. 

 

Unser Autor: Rechtsanwalt René Vogel ist Fachanwalt für Verkehrsrecht und Sozialrecht in der Fachanwaltskanzlei Schmedes, Bauhofstraße 56 in 14776 Brandenburg (Tel: 03381/ 52970). Er ist zugleich tätig mit dem Schwerpunkt Medizinrecht.

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