Arzthaftung wegen Aufklärungsfehlern

Versäumt der Arzt eine ordnungsgemäße Aufklärung über Behandlungsrisiken oder verharmlost diese, ist die Einwilligung des Patienten in die Behandlung rechtsunwirk-sam. Die fehlerhafte Aufklärung kann dabei auch in einem missverständlichen Merkblatt über die Operationsrisiken liegen. 

Unzulänglich ist beispielsweise ein Merkblatt zur Aufklärung über die Risiken einer Kieferhöhlen-Operation, in dem der Arzt einen von drei verschiedenen Operationswe-gen ankreuzt und in dem es weiter heißt: "…müssen zusätzlich auch die Siebbeinzellen mitoperiert werden, so kann es …zu schwerwiegenden Sehstörungen bis zum völligen Sehverlust kommen". Für den Patienten als medizinischen Laien ist daraus nämlich nicht erkennbar, dass auch die bei ihm beabsichtigte Kieferhöhlen-Operation durch die Nase einen Eingriff in Teile des sogenannten Siebbeines - einem Knochen des Hirnschädels - umfasst (OLG Koblenz, 5 U 967/09). 

In dem Fall, in dem der Patient durch die Operation tatsächlich eine Sehbehinderung erlitten hatte, kam hinzu, dass der Arzt im Aufklärungsgespräch auf die Frage des Patienten, ob durch die beabsichtigte Operation auch seine Augen verletzt werden könnten, lapidar geantwortet hatte, dass ihm "solches noch nicht vorgekommen sei". Hierin sah das Gericht eine unzulässige Verharmlosung eines operationstypischen, nicht ganz seltenen Risikos, das bei seiner Verwirklichung gravierende Folgen haben kann. Der Arzt mußte daher für die Schäden des Patienten gerade stehen. 

Tipp:
In Arzthaftungsfällen besteht oft Streit darüber, ob dem Patienten eine ordnungsgemäße Risikoaufklärung zuteil geworden ist. Zur Vermeidung von Rechts-nachteilen sollten Betroffene frühzeitig Kontakt zu einem im Medizinrecht tätigen Rechtsanwalt aufnehmen. Die Anwaltskosten übernimmt in der Regel die Rechts-schutzversicherung. 

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